Endlich. Biertrinken für den guten Zweck.
Geposted von Markus | Gezapftes | Geposted am September 3rd, 2010
Ein Bier bitte! Mit dieser Bestellung kommt man heutzutage nicht mehr weit. Nicht weil Bier inzwischen zur Mangelware geworden wäre, sondern weil ein Überfluss herrscht, der manchmal schon überfordert. Welches Bier soll man bestellen und warum? Die Auswahl ist riesig. Allein in Deutschland existieren ca. 1500 Brauereien, die weit über 7000 verschiedene Biere brauen. Hält man sich als Konsument streng an die Vorschriften des Reinheitsgebotes bleiben immer noch mehr 1000 Biere übrig. Dazu kommen Importbiere aus aller Herren Länder. Wer behält da den Überblick?
Ein Trend den man derzeit in Berlin beobachten kann, könnte den Biertrinkern in Zukunft bei der Auswahl helfen. In den letzten Monaten konnte man in den kleinen Szenekneipen in Neukölln und Kreuzberg beobachten, wie immer neue Biersorten die Kühlschränke füllten. Abseits von Kindl, Schultheiss und Berliner entwickelt sich hier allmählich eine neue regionale Bierkultur, die sich vor allem durch kleine Produktionsmengen, Nachhaltigkeit bei der Herstellung und ein cleveres Marketing, dass sich deutlich vom Wir-sind-alle-gut-drauf-wenn-wir-nur-unser-Bier-haben- Image unterscheidet. Nach Aussagen der Betreiber der Kiezkneipe Freies Neukölln, kommt fast jede Woche jemand mit einer neuen Kreation, die unbedingt in ihrer Kneipe verkauft werden sollte. Die Marken heißen “Profan“ oder einfach nur “Bier“ und zielen auf die hippe Berliner Szene.
Eine Marke sticht jedoch auch aus diesen “Independentbieren“ heraus. Quartiermeister heißt das erst seit einigen Tagen erhältliche Pils. Gebraut wird es vor den Toren der Stadt im Norden Sachsen-Anhalts. Alle Zutaten kommen laut Webseite aus der Region, wodurch eine, sagen wir mal strukturschwache, Gegend gefördert wird. Das ist aber nur der Anfang des guten Gewissens, denn die Macher von Quartiermeister verfolgen eine ganz besondere Idee. Das Bier wird zwar zu ortsüblichen Konditionen verkauft, entstehende Gewinne sollen aber nicht privatisiert werden sondern der Gemeinschaft, sprich dem Kiez, zu Gute kommen. Laut Homepage werden alle Überschüsse in soziale Projekte investiert. Jeder der eine Idee hat oder schon gemeinnützig in seinem Kiez arbeitet, kann sich auf der Webseite bewerben. Und auch wer das Geld bekommt, wird per Abstimmung im Internet bestimmt. Für Menschen die auch beim Trinken ihr Gewissen nicht an der Garderobe abgeben ist Quartiermeister auf jeden Fall einen Versuch wert. Leider kann ich zum Geschmack des Biers noch keine umfassende Kritik abgeben, denn es wird bisher nur in kleinen Mengen mit dem Fahrradanhänger an einige Kneipen ausgeliefert und ich kam bisher immer zu spät. Quartiermeister war immer schon aus. Ein Zeichen für Leckerheit oder für Neugier, vielleicht auch für die soziale Ader der Berliner? Findet es selbst heraus. Auf der Quartiermeister-Homepage gibt es demnächst eine Übersicht über die Kneipen, die das gutmeinende Gebräu anbieten. Na denn, Prost!