Vom Champagner des Nordens…
Geposted von Gastautor | Gezapftes | Geposted am Dezember 10th, 2010
Die “Berliner Weiße” ist alles Andere als die Erfindung spitzfindiger Marketingabteilungen und Forschungsgruppen. Als Anfang der 2000er Jahre die große Diskussion um das Verbot von “Alkopopps” (welche zu einer heftigen Besteuerung besagter Getränke führte) à la Bacardi Breezer, Smirnoff ICE etc entstand, hatte die “Berliner Weiße” mit Schuss schon ihren 120. Geburtstag. Und das bisweilen als “Spree Champagner” titulierte Getränk genießt auch heute noch (speziell im Sommer) deutschlandweit höchstes Ansehen.
Historisch kann die Entwicklung der “Berliner Weiße” leider nicht hieb- und stichfest belegt werden. Manche behaupten, sie ginge auf einen Betriebsunfall zurück, bei dem ein Teil der gestreckten Bierwürze sauer wurde, andere sagen die Erfindung käme eigentlich aus Nord Deutschland und sei erst von zugezogenen in die Hauptstadt gebracht worden.
Unbestritten ist aber, dass die “Berliner Weiße” im 19. Jahrhundert in Berlin das absolute It-Getränk war. Viele Wirte und Brauereien haben sich in dieser Zeit sogar auf “Berliner Weiße” spezialisiert und fanden bei der Bevölkerung einen regen Anklang.
Das Markenzeichen der “‘Weißen” ist ihr fein säuerlicher Charakter und ihre milchige Erscheinung durch den hohen Anteil an Weizenmals, dem verhältnismäßig kurzen Maischverfahren und Würzekochung.
Stil im Glas.
Der Stil kommt bei der “Berliner Weißen” traditionell in einen großen litrigen oder halblitrigen Trinkpokal, der aufgrund des Gewichts auch gerne mit zwei Händen zum Mund geführt werden darf. Gemischt wird sie entweder mit Himbeer-, Waldmeistersirup oder einem Schuss Kümmelschnaps. Aufgrund von Spülfaulheit und einigen Betriebsunfällen auf den Tabletts der Wirte haben hat sich mit der Zeit dickbäuchige, runde Gläser ohne Standfuß etabliert. Entsetzen erregt gerade bei Traditionalisten die Verwendung eines Trinkhalms, der von schlechten Wirten oder Touristen gerne verwendet wird und bei Kennern und “echten” Berlinern als Stilbruch angesehen wird.
Also wenn euch das nächste Mal der Sinn nach einer herb fruchtigen Erfrischung steht, lasst Mode-Drinks à la “Green Lemon”, “Schöfferhofer Grapefruit” oder “CAB” links liegen und lasst euch zurück in die Zeit des Burlesquen Berlins und wilden Tanzlokale versetzen und genießt eine herrlich frische “Berliner Weiße”.